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Das liebe Geld

Mittlerweile komme ich mit immer mehr Menschen in Kontakt, die sich für meine Kinderkleidung interessieren. Wenn ich Ihnen davon berichte, dass ich solche Mützen etc. nähe, die Ihre Kinder gerade tragen, werden sie mindestens hellhörig, wenn nicht sogar fast euphorisch. Nachdem ich ihnen Fotos gezeigt habe, beteuern sie begeistert und oft, bei mir auf jeden Fall etwas zu bestellen und … tun es am Ende doch nicht. Meistens kommt dann irgendwann heraus, dass meine Preise zu hoch wären und sie „das im Internet viel billiger bekämen“.

Keinem dieser Leute kann ich es übel nehmen. Keinem möchte ich vorschreiben, wo er oder sie die Kleidung der Kinder kauft. Denn sie haben Recht. Im „Internet“ gibt es die gleichen Produkte tatsächlich oft viel günstiger. Mit großen Ketten, die ihre Stoffe in Mengen vergünstigt einkaufen und in Billiglohnländern zu unmenschlichen Bedingungen vernähen lassen, kann und will ich mich hier nicht vergleichen. Aber es gibt auch Einzelpersonen, die ebenfalls, wie ich, von zuhause aus arbeiten, um andere mit ihren selbstgefertigten Produkten zu erfreuen. Diese Produkte werden dann meistens über Plattformen, wie z. B. Etsy verkauft; teilweise zu Preisen, die mit den großen Ketten fast mithalten können. Da frage ich mich immer: Wie machen die Leute das?

Für meine Preiskalkulation habe ich mich mächtig ins Zeug gelegt. Ich habe:

  1. Mir für jedes Produkt den genauen Stoffverbrauch und
  2. Die benötigte Herstellungszeit aufgeschrieben – vom Zuschnitt bis zum Abschneiden des letzten Fadens,
  3. Ein paar Minuten Arbeitszeit für Bürotätigkeiten aufgeschlagen. Dazu zählen das Bestellen von Stoff, Fotografieren der Stoffe und Produkte, Bearbeiten der Fotos, Einstellen der Fotos auf meiner Website und die Buchführung,
  4. Mir den Mindestlohn als Stundenlohn versprochen. Denn das bin ich mir wert.

Dafür bekommt ihr liebevoll gefertigte Produkte, die nach bestem Wissen und Gewissen unter fairen Arbeitsbedingungen hergestellt worden sind. Außerdem sind bei den Mützen und Schals wirklich alle Nähte unsichtbar, sodass ihr sie von beiden Seiten tragen könnt.

Natürlich gibt es auch genügend Leute, die ihre Produkte zu fairen Preisen z. B. auf Kunsthandwerkermärkten anbieten. Nur sind diese leider nicht so sichtbar. Wer etwas kaufen will, schaut schnell mal eben im Internet und landet häufig bei solchen Plattformen. Dort finden sich Preise, die weit von meinen entfernt sind. Um die selben Preise zu erreichen, müsste ich entweder meinen Stoff im Ausland günstiger einkaufen oder zum Selbstkostenpreis produzieren -sprich: auf meinen Arbeitslohn verzichten. Meine verwendeten Stoffe weisen alle ein gutes Preis-Leistungsverhältnis auf, welches ich an meine Kunden weitergebe. Ich kann etwas günstiger einkaufen, aber dann leidet zwangsläufig die Qualität meiner Produkte und dazu bin ich nicht bereit!

Ich möchte niemanden an den Pranger stellen. Diese Plattformen zeigen jede Menge Ideen und haben mit Sicherheit fast nur weiße Schafe. Aber die Niedrigpreise führen dazu, dass der Wert eines Produktes verzerrt dargestellt wird und Handwerker, die angemessene Preise verlangen, als viel zu teuer angesehen werden.

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